Lyrik

Kaldi

wie ein Sturm
bist du im Wind
doch in mir
bist du nur ein Hauch


Frostnacht

Nebelweis in jeder Dimension
gestreift von grau und schwarz, vertikal

Kristallklare Töne knacken im Holz
von grauer Gestalt in jeder Lage

Wasser bröckelt ab in kleine Glitzer
werden Sterne im Traum

Wärme befällt die Pumpe
alles ist so schön zum ersten mal


Wer den Herbst mag

Trüber Nebel. Wie ein Käfig!
Wandernd meiner Schritte nah,
umfängt die Blicke sträflich
für das Nichts was jüngst geschah.

Zeitverschwendend wütet Sturm
den Wald. Kaum grün, schon rot,
Stillstand aller Menschen Uhr’n,
Farbe fällt und bald schon tot.

Beschlagnem Spiegel gleichend grau
klebt Atem fest im Jetzt,
wie die Fliege (einst so schlau!),
in toter Spinne Netz.

Angeschwemmt von fädrig Schauer
regnet ein die kalte Nacht.
Durchdringt Laub mit feuchter Trauer
für alles was einst Leben bracht.

Steigend auf in tiefes Tal,
wächst Kälte wie ein Brand.
In mancher Seele bis zur Qual,
zeigt Verschleiß in jeder Hand.

Färbend blass im Wetter,
schwärzt lückenloses Wolkendach
auf letztem Brief die Letter,
die da einst für dich gedacht.


Winter in Island (Arbeitstitel)

I Der Frohgesang

Weißer Schnee auf jeder Farbe,
zeigt der Welt des Winters Macht.
Die Sonne selbst in ihrem Feuer,
erduldet seine kühle Pracht.

Tief verschneit des Riesen Bauch,
bis zum Horizont der Sicht.
Heute scheint die alte Welt,
sich selbst ein warmes Licht.

Funkelnd tanzen in der Starre,
eiskristalle Strahlen.
Kein Mensch der Welt ist fähig,
diesen Blick zu malen.

Traumhaft echt auf jder Flocke,
sitzen singend kleine Feen.
Sie hoffen das die Menschen,
die Nordnacht überstehn.

II Die Nacht

Seit Tagen schon, nun
kämpft die Sonne,
um jeden neuen Atemzug.
Es ist das Meer
das Sie im Schlaf betrug.

Umschlingend wie, ein
phantastischer Kraken,
zieht es in düstere Tiefen.
den tobend roten Stern
hin wo einst die Götter liefen.

Und den Mensch befällt, voll
Dunkelheit ein Rausch,
bringt Schatten ohne Licht.
Lässt vor Angst ihn toben,
vor schwachen Göttern Angesicht.

Der Wald indess, erdrückt
von lichtlos weißem Schnee,
erbricht sich totem Leben.
Er weint und mit ihm der Wind
„Ich kann euch nichts mehr geben!“

Er muss selbst bangen, um
seine stolze Krone,
die der Frost nicht mehr verlässt.
Flocken zahnen ineinander,
und reißen das Geäst.

„Oh weh mir!“, knarzt
es zwischen Rinde und Stamm
der großen, trägen Bäume,
von sturmgeplagten Geistern,
entrissen ihrer Träume.

Ymir – urig alter Riese, entsteigt
nach totgeglaubtem Schlaf,
hinaus aus seiner Gruft.
Er haucht die Welt mit eisig Lust,
in tödlich kalte Luft.

III Der Bote

Im Hochland ohne Grenze,
wandert indess ein Mann,
gleich einem Götterboten,
so weit wie nur er es kann.

Des Postmann einzig Ziel,
ist nicht zu überleben.
Vielmehr nur, mit Seele oder nicht,
die Briefe übergeben.

Für diese, die still trauern,
vermissen oder lieben.
Damit die Menschen dieser Nacht,
nicht noch dem Wahn erliegen.

Seine Tasche ist so schwer,
von all den Menschenlasten,
Hunger, Leid und Tod,
man wundert, kann er es verkraften.

Doch er denkt an die frohe Kund,
von Kindern, Lieben und Versprechen,
ein lohnend Argument,
die Reise nie zu unterbrechen.

Er stapft im Schnee,
stolz dem Schlaf entgegen.
Verläuft sich planlos ohne Licht,
abseits von allen Wegen.

Das Hochland beißt sich fest,
in seinem langen Bart.
Doch singt er stets ein Lied,
das ihn vor Müdigkeit bewahrt.

Geister kreuzen seinen Weg,
jauchzend ohne Laut,
doch er lässt sich nicht beirren,
solang er seinen Tabak kaut.

Bald taucht er überm Berge auf,
wie einst die warme Sonne.
Niemand hat gezweifelt,
das er jemals komme.


Die Großen

Zwischen dunklen Blumen und schwarzen Rosen,
in windiger eiskalter Nacht,
sitzen ums Feuer die Großen,
und spielen mit ihrer Macht.

Sie sitzen im engsten Kreise,
dicht gedrängt ums Licht herum,
und reden nur ganz leise,
alles unter strengster Geheimhaltung.

Sind sie doch die letzten auf dieser Welt,
und das darf Niemand wissen,
sonst will noch jemand ihr Geld,
das jedoch möchten sie nicht missen.

So beschließen sie wichtige Beschlüsse,
Land und Wasser gilt es zu verteilen,
eben Sachen die man unbedingt regeln müsse,
und so sind sie bemüht sich zu beeilen.

Sie reden mit Stolz über ihre Kriege,
über Ehre und Ruhm,
wie sie die Menschheit erschlugen wie eine Fliege,
und nebenher über ihren unermesslichen Reichtum.

Sie sind vertieft in ihr Sprechen,
lauschen den Worten des daneben,
sie spüren die Erde nicht zerbrechen,
und überhören das Jaulen der 6 Milliarden Seelen.

Es gibt keinen Mond mehr am Himmel der Nacht,
doch die Großen stört es nicht,
keiner der sich Sorgen macht,
sie starren nur in ihr Licht.

Doch nun findet auch die Sonne den Weg nicht mehr,
selbst die Großen beginnen zu munkeln,
doch die Welt um sie her,
liegt bereits endgültig im Dunkeln.

Kälte umhüllt der Großen’ Runde,
ihre Macht versiegt,
das letzte Licht der Welt geht zu Grunde,
auch die Großen sind nun besiegt.